Wolfgang Held bringt uns die Welt näher
- Gedanken einer Teilnehmerin -

Am 12.05.2017 sprach in der Priener Waldorfschule Herr Wolfgang Held, Beauftragter für Kommunikation am Goetheanum, Dornach über „Eine neue Welt im 21. Jahrhundert – Wie wir Denken, Fühlen und Wollen heute verwandeln können“. Ich möchte kurz berichten von einem Aspekt, der mich persönlich sehr bewegt hat. Im 20. Jahrhundert herrschte der Eindruck von „die Zeit rast“ vor. Herr Held gab uns dazu das Bild eines Pfeiles: am Beginn stehen wir, vor uns geradlinig, ziel- und damit auch zukunftsorientiert der Pfeil, an dessen Ende klar und deutlich die Spitze, das Ziel. „Nebenschauplätze“ werden möglichst ausgeblendet (die halten nur auf), kraftvoll und schnell soll es vorangehen. Heute, im 21. Jahrhundert, könnte man sagen „die Zeit schwirrt“. Das Bild hierfür sind breit verteilt hier mal ein Punkt und dort mal einer, und dann wieder da drüben, und so fort. Kein roter Faden, kein Ziel, verwirrend irgendwie – ABER: er nannte es die „Auferstehung der Gegenwart“! Aufgabe und Geschenk zugleich! Beim Nachdenken kam mir dann ein anderer Vortrag in den Sinn, von Herrn Johannes Greiner am 22. Februar in der Rosenheimer Waldorfschule über „Die Spiritualität der heutigen Kinder und Jugendlichen“. Auch er entwarf Bilder und erklärte, dass heute im Vergleich zu früher alles viel flüssiger sei, es gebe keinen festen Boden mehr: „vom Land auf's Meer“. An Land bin ich getragen, kann auch mal faul irgendwo sitzen; im Meer muss ich mich immer bewegen. Das kann nur gut gelingen, wenn ich Freude habe (oder entwickle) am Mich-Bewegen. Zurück zu Herrn Held, um mit ihm zu schliessen: wo Christian Morgenstern im 20. Jahrhundert sagen konnte „Wer vom Ziel nicht weiss, kann den Weg nicht haben...“, muss es heute wohl heissen „Wer vom Weg nicht weiss, kann das Ziel nicht haben...“.
Oder vielleicht ist der Weg das Ziel...?

Barbara Huber





Rückblick

Liebe Freunde,
das Jahr geht seinem Ende entgegen... Zeit einen Rückblick zu halten, Zeit um zu danken. Heute möchte ich mich besonders an diejenigen von Euch wenden, die mich bei meinem Äthiopien-Einsatz unterstützt haben. Dank Eurer vielfältigen Hilfe war es möglich, das Regina Family Center in Addis Abeba beim Aufbau seiner Kindertagesstätte zu begleiten; das erste Mal im Oktober / November 2015, das zweite Mal im Juli 2016.

Nach großen Turbulenzen, u. a. zwei Umzüge, Personalwechsel und finanziellen Nöten, kehrt eine gewisse Stabilität ein und das „Day Care“ und die Kindergartengruppe können sich in einer wunderbaren Umgebung am Rande der Großstadt, in der Adisu Gebaya, in einem alten Haus und großen Garten, entfalten. Wir konnten zwei Räume mit Spielmaterial ausstatten. Die mitgebrachten Dinge dienen nun zur Anregung um selber Spielzeug herzustellen. Mit den gespendeten Euros konnte ich u. a. von einem Schreiner vor Ort einen Spielständer und ein Regal anfertigen lassen, einen kleinen Tisch und Hocker für die Puppenstube erwerben, Holzspielzeug, Bälle und Springseile kaufen und für jedes Kind Teller und Becher aus Keramik.

Raumgestaltung, Grundlagenarbeit, Strukturierung des Tages- und Wochenablaufes, Einführung in hauswirtschaftliche und künstlerische Tätigkeiten, Gespräche mit Eltern und Vorstand, Beschaffung von Bastelmaterialien vor Ort, z.B. Bienenwachs, Baumwollflocken zum Stopfen der erstellten Puppen und Tiere, also Theorie und Praxis, waren meine Aufgaben. „Training on the job“ und die mannigfaltigen Begegnungen waren das Herzstück der Arbeit in Addis. Und… es war Arbeit! Doch der Einsatz hat sich gelohnt.

In einer Zeit, in der weltweit das Bewusstsein schwindet, dass „das Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht“, konnte ich mit Eurer Hilfe Menschen unterstützen, die erkannt haben, dass die kindliche Entwicklung Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist, die es zu achten gilt. Mit fünf Jahren werden die äthiopischen Kinder eingeschult und sollten dann, außer der Staatssprache Amharisch, schon Englisch sprechen, die Buchstaben des Alphabets auf beiden Sprachen beherrschen, sowie Grundkenntnisse im Rechnen haben. Der ganzheitliche Ansatz der Waldorfpädagogik entspricht der Philosophie des Regina Family Center und Regina Abelt, erfahrene deutsche Hebamme, die ihr Herz an Afrika verloren hat, steht mit ihrem Idealismus und allen verfügbaren Ressourcen, zusammen mit den jungen Müttern, die ihre Kinder unter ihrer Betreuung geboren haben, hinter dem Vorhaben eine Waldorfschule ins Leben zu rufen. Mit der Gründung der Kindertagesstätte ist der erste Schritt getan.

Anbei der Brief einer Mutter von drei kleinen Kindern, den ich dieser Tage, mit der Bitte ihn Euch vorzulesen, erhielt. Die Fotos mögen einen Eindruck der Umgebung und der Menschen vermitteln.

Ich schließe mit dem Wort für danke auf amharisch: amasegenallu
Also: Vielen Dank! Batam amasegenallu!
Mit den besten Wünschen für 2017 grüßt Euch herzlich
Barbara Sohn





Willkommenskultur für Flüchtlinge

Peter Lang ruft in der September-Ausgabe der "Erziehungskunst" zu einer aktiven Willkommenskultur für Flüchtlinge auf. Lesen Sie selbst nach: http://www.erziehungskunst.de/artikel/aufruf-zu-einer-aktiven-willkommenskultur

Waldorfpädagogik in Addis Abeba

Barbara Sohn, Vorsitzende im Verein Zukunft gestalten, hilft vor Ort beim Aufbau einer Waldorfeinrichtung in Addis Abeba. Das Regina Family Center bietet alles rundum Gesundheit und Bildung für die Familie, von der Kinderkrippe bis zur Gymnastik der älteren Generationen. Mehr Informationen lesen Sie hier.

Die Freie Waldorfschule Rosenheim und die Waldorfkindergärten "Das Samenkorn" und "Hollerbusch" in Rosenheim sowie der Waldorfkindergarten in Prien und das Waldorfhaus Traunstein geben Geschenke mit auf den Weg nach Äthiopien. Dafür sei den Einrichtungen unserer Region ein herzliches Vergelt's Gott ausgesprochen!

Zielgerichtete Pädagogik

Der Verein „Zukunft gestalten“ organisierte am 12. und 13. Juni hochkarätige Fortbildungen im Bereich der Pädagogik in Rosenheim und Bad Aibling. Die Teilnehmer kamen aus ganz Oberbayern sowie Tirol. Die geladene Referentin Claudia Grah-Wittich ist in Antroposophenkreisen als sehr lebendige und fesselnde Seminarleiterin bekannt. Und so füllten sich die Teilnehmerlisten sehr rasch über die gesetzten Grenzen hinaus. Claudia Grah-Wittich ist in der Frühförderung und Elternberatung des pädagogisch-therapeutischen Zentrums „der hof“ in Niederursel/Frankfurt am Main tätig. Sie ist mitverantwortlich für die dortigen Weiterbildungen „Eltern beraten“ und „Kinder neu sehen lernen“. Die studierte Philosophin, Kunsthistorikerin und Sozialarbeiterin gibt aus ihrem reichen Erfahrungsschatz neue Blickwinkel auf die alltägliche Arbeit der Pädagogen. Ihre anschaulichen Beispiele entnimmt sie zum Teil ihrer eigenen Biografie als Großmutter sowie Mutter von zwei Söhnen und einer Tochter. Im Rosenheimer Waldorfkindergarten „Das Samenkorn“ ging es am Freitagabend um die Grundlagen der Krippenpädagogik und die Frage, wie in dieser ersten Lebensphase ein stabiles Fundament für die gesamte weitere Entwicklung des Menschen gelegt werden kann. Der Kurs richtete sich hauptsächlich an Menschen, die in einer Krippe, Eltern-Kind-Krabbel- oder Spielgruppe tätig sind. Anhand von Impulsbeiträgen, Videobeispielen, Übungen und Diskussionsrunden veranschaulichte Grah-Wittich ihre Intentionen. Während der Samstagstagung in den neuen Räumen der heilpädagogischen Waldorfschule in Bad Aibling, die sich an alle Menschen richtete, beschäftigten sich die 60 TeilnehmerInnen aus Augsburg, Weilheim, München, Straubing, Mühldorf, Kufstein, Chiemgau, Mangfalltal und Inntal mit den biographischen Gesetzen des Menschen. Das Verstehen der eigenen Biographie des Erwachsenen dient hierbei als Basis für die Arbeit am und mit dem Kind. Nach Grah-Wittich geht es um das Erkennen: „Was projiziere ich von der eigenen Biografie auf andere?“. Die TagungsteilnehmerInnen waren sehr beeindruckt. Eine Erzieherin aus Weilheim fasste es in Worte: „Grah-Wittich bringt Begeisterung mit und entzündet ein Feuer, sich selber auf den Weg zu machen. Sie rüttelt aus der Routine wach und zeigt neue Möglichkeiten auf. Sie lehrt Güte und Achtsamkeit zum Kind, man soll ihm nicht das eigene überstülpen. Das Kind sagt mir, was es braucht – in der Wahrnehmung kann ich es erkennen.“ Andere lobten die Praxisnähe und Lebendigkeit in der Vermittlung Grah-Wittichs. Der Verein „Zukunft gestalten – Waldorfpädagogik in der Region Südostbayern“ plant weitere Fortbildungen mit dieser sowie anderen kompetenten Referenten. Im neuen Schuljahr beginnt wieder der Kurs „Waldorfpädagogik im ersten Jahrsiebt“ mit sechs Samstagen pro Jahr. Nähere Informationen gibt es unter www.verein-zukunft-gestalten.de.

Text und Fotos: Michaela Firmkäs

Claudia Grah-Wittich, Referentin des pädagogisch-therapeutischen Zentrums „der hof“ in Niederursel/Frankfurt am Main

(v.l.) Corinna Pochwalla (Raphaelschule, Bad Aibling), Barbara Sohn und Peter Lang (Verein Zukunft gestalten), die Referentin Claudia Grah-Wittich, Astrid Haimerl und Sabine Paulig (Waldorfkindergarten Samenkorn, Rosenheim), Oliver Pontz (Raphaelschule)

Fortbildung in der Raphaelschule, Bad Aibling, mit Claudia Grah-Wittich

 

Spendenaufruf

Da ich einige Jahre, zusammen mit meiner Kollegin M.-L. Compani in Bischkek/Kirgistan an der dortigen Pädagogischen Hochschule eine Weiterbildung zur Waldorfkindergärtnerin durchführte, besteht seit dieser Zeit ein intensiver Kontakt zum Ehepaar Schälike, die sich in in beispielhafter Weise um behinderte Kinder und Jugendliche kümmern und maßgeblich dazu beitragen, dass behinderte Menschen in Kirgisien nicht als minderwertig und belastend angesehen werden. Der beigefügte Spendenaufruf informiert Sie über die Arbeit in diesem zentral- asiatischen Land, Unterstützung ist sehr willkommen.
Peter Lang

zum Spendenrundbrief

Das Buch “ Waldorfkindergarten heute – Eine Einführung, Verlag Freies Geistesleben,2011, Stgt., Hrsg. Marie-Luise Compani und Peter Lang ist bereits in folgende Sprachen übersetzt und publiziert: Koreanisch, Englisch, Französisch, Russisch, Litauisch und Hebräisch. Demnächst wird es auch in Estnisch und Türkisch erscheinen.